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Das alternde Gehirn hat sich zum lukrativen Geschäft gemausert. Überall gibt es digitale sowie materielle Produkte, die angeblich die kleinen grauen Zellen auf Trab halten. Beim Gehirnjogging werden am besten täglich mentale Aufgaben absolviert. Meist geht es darum, sich aktiv etwas zu merken: Zahlen, Bilder oder Wörter. Auch das Lösen von Rechenaufgaben oder verdrehten Buchstabenfolgen gehören zu den Klassikern.

Viele Menschen machen regelmäßig Gehirnjogging, denn die Hersteller versprechen den Anwendern in Bezug auf Langzeitwirkung teilweise das Blaue vom Himmel. Denn das Problem ist: Viele Übungen sind zu einseitig, reizen nur einen kleinen Teil des Gehirns. Außerdem ist längst nicht wissenschaftlich bewiesen, dass diese Art von Training wirklich Demenz vorbeugen oder sogar Alzheimer verhindern kann.

Sit-ups für’s Gehirn

Unser Gehirn funktioniert in Grundzügen wie ein Muskel: Im Muskelgedächtnis lässt sich vieles durch stetige Wiederholungen dauerhaft festigen. Im Gehirn zeigen sich vergleichbare Ergebnisse in Form neuer Nervenzellen. Unbestritten ist also, dass das Gehirn also trainiert werden kann. Allerdings ist zweifelhaft, ob Gehirnjogging tatsächlich dazu führt, dass im Anschluss Alltagsprobleme besser bewältigt werden können. Denn dafür sind meist andauernde, sogenannte Transfereffekte nötig.

Gehirnjogging bewirkt wenige Transfereffekte

Etwas transferieren bedeutet, dass eine bestimmte Übung nicht nur die Leistung in diesem speziellen Aufgabenbereich verbessert, sondern auch auf ähnliche Bereiche übertragen werden kann. Denn eigentlich hat niemand etwas davon, sich besonders gut Zahlen oder eine Vielzahl an Gegenständen merken zu können. Wichtiger wäre doch, sich merken zu können, auf welcher Etage jemand wohnt. Solche Transfereffekte auszulösen – die „nahen Transfers“ – gelingt mit manchen Programmen sogar recht gut. Anspruchsvolles und vielseitiges Gehirnjogging kann mittels dieser Transfereffekte die Konzentrationsfähigkeit stärken oder den Orientierungssinn fördern.

Allerdings bezweifeln Forscher, dass Gehirnjogging grundsätzlich die Hirnleistung oder gar die Intelligenz steigert. Zu diesem Thema veröffentlichten 30 führende Forscher bereits 2009 eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie vor teuren Denksport-Angeboten warnten – weil sie sie für nutzlos hielten.

Was bringt das Gehirn auf Trab?

Statt sich auf das Gehirnjogging zu versteifen, raten Altersforscher, sich eine möglichst vielseitige Freizeitgestaltung zu schaffen. Im Detail bedeutet das, Sudoku und Kreuzworträtsel sollten sich mit vielen anderen Tätigkeiten abwechseln. Beispielsweise Sachbücher lesen, Fremdsprachen erlernen, einen Tanzabend besuchen oder schlicht anregende Gespräche führen. Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: Körperliche Bewegung ist erwiesenermaßen ein Jungbrunnen – auch für die grauen Zellen. Daher: Lieber mal eine Runde Jogging an der frischen Luft absolvieren, als eine digitale vor dem Bildschirm.

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